DIE TOTEN SIND NICHT TOT ... SIE WARTEN NUR !

Montag, 16. November 2009

Aktuelle Rezensionen im Internet

Heute war im Kölner Stadt-Anzeiger eine Rezension zum "Vampir von Melaten" zu lesen, und ich nehme das zum Anlass, mal einen kleinen Überblick über die aktuellen Besprechungen zu liefern. Den Stadt-Anzeiger-Artikel findet man hier. Der Verfasserin hat das Buch gut gefallen - aber sie macht keinen Hehl daraus, sich einen neuen Fall meines Detektivs Remigius Rott zu wünschen. Gemach! Das kommt alles! "Ein ganz besonderes Buch! Fesselnd und düster, viel mehr als ein simpler Vampirroman!", lautet das Fazit der Rezensentin auf "Schreib-lust.de". Hier der Link zum Text. Dem Rezensenten auf "Köln Allgemein" (hier der Artikel) hat das Buch zwar auch gefallen, aber er zeigt sich skeptisch, ob das Regio-Fantasy-Genre, die "Twilight-Variante für Köln" nur ein einmaliger Ausflug in die Unterwelt war oder ob es das Zeug hat, sich auf breiter Front durchzusetzen.

Samstag, 14. November 2009

Lesung in der Bergischen Buchhandlung Wipperfürth

Manchmal weiß man gar nicht, wo die eigentliche Lesung endet und die Zugabe beginnt. Bei der Lesung in der Bergischen Buchhandlung am vergangenen Donnerstag in Wipperfürth, war der erste Teil meinem Thriller "Die fünfte Passion" gewidmet, der zweite dem "Vampir von Melaten". Weitere Bilder von der Veranstaltung gibt es hier.

Dienstag, 3. November 2009

"Gänsehaut pur" - Rezension auf Koeln.de

"Buslau gelingt es mit wenigen Worten eindringliche Szenerien und beklemmende Atmosphären entstehen zu lassen, so dass man sich als Leser fast schon manisch an den Buchrücken klammert." Das schreibt die Rezensentin Julia Schmitz auf koeln.de. Die ganze Rezension gibts hier.

Donnerstag, 15. Oktober 2009

Lesung in Wermelskirchen am 29.10.2009

Lesung aus "Der Vampir von Melaten"

Donnerstag, 29.10.2009, 19:30 Uhr, Katholische Öffentliche Bücherei
St. Michael, Wermelskirchen, Kölner Straße 41. Eintritt frei!
Informationen unter Tel.: 02196 / 83 74 8 (Frau Hartmann)

Lesungstermine mit anderen Büchern hier.

Mittwoch, 14. Oktober 2009

Leseprobe: Der Vampir von Melaten

(c) Emons-Verlag
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Da sprachen Sauls Diener zu ihm: »Siehe, dich plagt
ein böser Geist Gottes. So möge doch unser Herr befehlen,
dann werden deine Knechte einen Mann suchen,
der das Harfenspiel versteht. So oft dann der
böse Geist Gottes über dich kommt, soll er die Saiten
rühren, und es wird dir wieder wohler werden.«

1. Buch Samuel, Kapitel 16, Verse 15 und 16

DER RUF

1

Wo bist du?
Ich weiß, dass du da bist.
Du verbirgst dich.
Aber du kannst mich nicht täuschen.
Sie lauschte in die Nacht. Alles, was sie hörte, war die Geräuschwolke, die wie eine riesige Kuppel über der Stadt hing.
Ein Blick nach links, ein Blick nach rechts. Die lange Friedhofsmauer verlor sich in der Ferne. Niemand war auf dem Gehweg unterwegs. Kein Verkehr auf der nächtlichen Ausfallstraße.
Sie tauchte in den Schatten vor dem hohen eisernen Tor.
Ich komme jetzt zu dir.
Spürst du, dass ich mich dir nähere?
Ein leises Quietschen. Der Friedhof lag in dichter Schwärze. Verstreute rote Grablichter schwebten darin. Aus den Wolken, die die Lichter der Stadt reflektierten und matt leuchteten, fiel ein stetiger feiner Regen.
Sie drückte das Tor weiter auf und trat in die Dunkelheit. Ihre Augen gewöhnten sich langsam an die Finsternis, und sie konnte vereinzelt die nass glänzenden Flächen der Grabsteine erkennen.
Du willst dich mir nicht zeigen.
Du willst nicht, dass ich dein Reich betrete.
Aber du hast keine Wahl.
Ich komme jetzt zu dir.
Nur wenige Schritte, und sie befand sich in einer anderen Welt. Es war, als hätte sie eine Grenze überschritten. Hier wurde sie empfänglich für das, was um sie herum lauerte.
Etwas Lebendiges.
Es wartete auf sie. Irgendwo auf diesem riesigen Friedhof.
Sie spürte Feuchtigkeit auf ihrer Handfläche, als sie unter ihren dunklen Umhang griff und das Kruzifix umschloss, das sie seit Jahren auf der bloßen Haut trug.
Sie wandte sich um. Das Friedhofstor stand immer noch offen. Niemand durfte wissen, dass jemand hereingekommen war. Dass sie als Unbefugte einen Schlüssel besaß.
Sie ging die paar Schritte zurück, drückte gegen das Eisen und ließ das schwere Vorhängeschloss einrasten. Es hing an einer dicken Kette, die um die schmiedeeisernen Stäbe gewickelt war. Es gab ein metallisches Scheppern.
Hast du das gehört?
Wir sind nun allein miteinander.
Wie gefällt dir das?
Du brauchst keine Angst zu haben, sagte sie sich. Du bist gewappnet. Was auch immer dort wartet: Seine Zeit ist abgelaufen. Und wenn der Kampf auch hart wird – du bist auserwählt, ihn aufzunehmen. Nur wenigen ist diese Ehre beschieden.
Eine von ihnen bist du.
Vielleicht die Einzige.
Es ist vorbestimmt.
Dir kann nichts geschehen.
Sie wischte sich den Regen aus dem Gesicht. Entschlossen tauchte sie in die Dunkelheit ein und folgte dem Hauptweg, der geradewegs ins Herz des Melatenfriedhofs führte. Unter ihren Schuhsohlen spürte sie den Asphalt.
Je weiter sie kam, desto mehr verblasste das ohnehin dürftige Licht, das von der Aachener Straße aus hereindrang.
Die Finsternis störte sie nicht. Sie kannte sich hier aus.
Wo bist du?
Zeig dich mir.
Oder hast du etwa Angst?
Wie lange versuchte sie das schon? Monate?
Wenn sie ehrlich war, waren es Jahre.
Aber sie gab nicht auf. Die Präsenz war deutlich wahrzunehmen.
Der Friedhof um sie herum schien zu leben. Auf eine vegetative, fremde Weise. Was unter der Erde der Gräber verborgen lag, schien zu warten. Darauf, endlich hervorzubrechen und die Welt in seinen mörderischen Würgegriff zu nehmen.
Es war eine dunkle, uralte Energie, die diesem Stück Land im Westen von Köln einmal verliehen worden war. Fast verschüttet unter den Trümmern der Geschichte. Aber lebendig wie eh und je.
Du lebst.
Ich weiß es.
Du beobachtest mich.
Du kannst mir nichts vormachen.
Sie schloss die Augen. Sie musste sich konzentrieren.
Spürst du meine Gedanken?
Sei bereit.
Bald werden wir zusammentreffen.
Und dann gibt es für dich kein Entkommen.
Ein matter Lichtschein erschien hinter ihren Augenlidern. Als habe jemand eine Lampe eingeschaltet.
Endlich.
Du hast mich gehört.
Wir treten in Kontakt.
Das Licht wurde heller. Fast am Rande ihrer Wahrnehmung bemerkte sie, dass der Regen nachgelassen hatte. Es war deutlich wärmer geworden.
Noch ein paar Sekunden wollte sie abwarten. Noch eine und noch eine. Das, was dort auf sie zukam, sollte Gelegenheit haben, sie als leichtes Opfer zu sehen. Damit sie ungehindert zuschlagen konnte.
Sie tastete nach dem Kruzifix.
Wartete ...
... und öffnete die Augen.
Der Friedhof war verschwunden.
Sie sah freies Land, das mit Gras und niedrigen Büschen bewachsen war. Es war heller Tag, doch tief liegende Wolken verbargen die Sonne. Irgendwo in der Ferne ragte ein breiter, dunkler Schatten zum Himmel. Dort lag die Stadt.
Ein Aufschrei aus vielen hundert Kehlen ließ sie herumfahren. Hinter ihr hatten sich Menschen versammelt. Sie kümmerten sich nicht um sie und hatten ihr den Rücken zugewandt. Die meisten waren ärmlich gekleidet, trugen einfache Gewänder aus Leinen oder abgewetztem Leder. Manche besaßen keine Schuhe und standen barfuß auf dem schlammigen Boden.
Hinter der Gruppe erhob sich ein grob gezimmertes Holzpodest. Ein Mann dort oben richtete sich auf und hob langsam ein gewaltiges Beil. Ihm zu Füßen krümmte sich eine Gestalt. Ihre bräunliche Haut verschmolz fast mit den Farben der Landschaft – mit dem Farbton des Holzes, der Erde und der abgestorbenen Pflanzen in der öden Heide.
Der Henker ließ sich Zeit. Wie eine Statue verharrte er und schien mit seiner mörderischen Waffe genau zu zielen. Der Kopf seines Opfers lag auf einem Holzblock.
Sie wollte sich abwenden, doch sie war wie gefangen von dem Blick des Delinquenten. Die schwarzen Augen sprachen zu ihr.
Ich werde das ewige Leben erlangen.
Ich werde ein Märtyrer sein.
Der Henker hob sein Beil noch weiter. Am höchsten Punkt verharrte er einen Moment, dann ließ er es kraftvoll nach unten fallen. Ein dumpfer Knall ertönte, als die Schneide aufschlug. Ein Kollern, als der Kopf auf die Holzbohlen fiel.
Die Menge stöhnte auf.
Zwei Knechte, die nur auf diesen Moment gewartet zu haben schienen, zogen den Rumpf beiseite. Von hinten holten sie eine weitere gefesselte Gestalt zum Holzblock. Das nächste Opfer.
Als würde sich ein Film wiederholen, lief die Szene ein zweites Mal ab. Und ein drittes und ein viertes Mal.
Die Leichname häuften sich bald im Schlamm neben dem Podest. Dunkles Blut färbte die Bohlen, floss herab.
Sie konnte nicht sagen, wie viel Zeit vergangen war, als die Vision verblasste. Das Letzte, was sie sah, waren schwarze Vögel über dem Feld, die unter den grauen Wolken langsam ihre Kreise zogen.
Auf der Suche nach Aas.


2

Gardis fehlte die Geduld, auf den Aufzug zu warten, und sie wollte auch nicht in der engen Kabine nach oben fahren. Der Arzt hatte ihr nach dem Unfall Bewegung verordnet, und es war sicher gut für sie, die zwei Stockwerke zu Fuß über die Treppe hinaufzugehen. Vielleicht versorgte sie das sogar mit der nötigen Power, die sie für das Gespräch mit Paul unbedingt brauchte.
Sie fühlte sich müde und schlapp. Seit einiger Zeit schlief sie schlecht. Das war kein Wunder, wenn sie bedachte, was sie erlebt hatte. Und wenn sie endlich Schlaf fand, quälten sie seltsame Träume.
Egal, dachte sie, während sie Stufe um Stufe nahm. Konzentriere dich auf die Zukunft. Und die liegt oben im Büro des Chefredakteurs.
Sie hatte die erste Etage hinter sich gelassen, da erregte eine Bewegung ihre Aufmerksamkeit. Die Treppe führte an einem breiten Fenster vorbei, das einen Blick über die verschachtelten Dächer der näheren Umgebung bot. Auf Fensterfronten, Backsteine, schmutziges Metall, angerostete Notleitern, angegraute Kamine. Gardis zuckte zusammen, als ein Schatten vom grauen Himmel herniederraste und etwas packte, das sich hilflos auf den Dachziegeln wand. Selbst durch die dicke Scheibe hindurch war erbärmliches Geschrei zu hören.
Eine Amsel in den Klauen eines Raubvogels. Mitten in der Stadt!
In schnellem Rhythmus öffnete und schloss sich der gelbe Schnabel des gefangenen Tieres. Die glänzenden schwarzen Augen starrten Gardis direkt an und schienen sie um Rettung anzuflehen. Der riesige Raubvogel hatte sie ebenfalls bemerkt und hielt sie wohl für eine Konkurrentin. Heftiges Flügelschlagen, weitere Sekunden dieses schrecklichen Geschreis, das Gardis bis in die Seele drang – und Beute und Jäger verschwanden in den Himmel. Auf den Dachziegeln blieb nichts zurück als ein paar kleine Federn.
Sie griff an das Geländer neben der Treppe. Der Schweiß stand ihr auf der Stirn, ihr Herz raste. Sie schnappte nach Luft und zwang sich, weiterzugehen.
Ihr Verstand versuchte, die Oberhand zu gewinnen und ihr auszureden, was ihr Unterbewusstsein in ihr Denken drücken wollte.
Dass das Erlebnis mit dem Vogel ein Zeichen gewesen war. Ein Symbol für ihre Situation. Gardis in den Fängen eines seltsamen Schicksals, einer unsichtbaren Macht, die sie in ihren Klauen hielt und eine Pechsträhne auslöste.
Aber es liegt zum großen Teil an dir, ob du Glück oder Pech hast, dachte sie, und wie deine beruflichen Chancen stehen. Sicher, die letzten Wochen waren schlimm, du hast viel gegrübelt, und dabei haben sich viele schlechte Gedanken angehäuft. Aber das muss jetzt vorbei sein. Nutze deine Möglichkeiten und sieh zu, dass du wieder ans Arbeiten kommst.
Sie betrat den Flur, und sofort umgab sie ein Mief aus Gerüchen nach Plastik, Teppichboden und Putzmitteln. Hinter dem Empfangstresen stand diese Frau, deren Namen sie sich einfach nicht merken konnte.
»Frau Schönborn! Wie geht es Ihnen? Sind Sie wieder gesund? Wir haben gehört, dass Sie eine Weile ... weg waren.«
Weiße Bluse und Jeansrock, die Haare streng zurückgekämmt. Die große Brille hätte zu einer Lehrerin gepasst. Gardis hatte sich oft gefragt, wie alt sie sein mochte. Allerhöchstens Anfang dreißig. Wenn man sie von Weitem sah, wirkte sie wie fünfzig.
»Danke, gut«, sagte Gardis. »Ich möchte zu Paul.«
Sie kam sich vor wie eine Bittstellerin. Unbeholfen und fremd. Klinik und Reha hatten ihr wohl ausgetrieben, wie man es anging, einen Job zu bekommen. Man tauchte nicht einfach in Redaktionen auf. Man rief vorher an. Man schrieb eine Mail.
Die Frau reagierte, wie Gardis es befürchtet hatte. Sie blätterte in einem Kalender, der vor ihr auf dem Tresen lag. Als wäre Paul Breuer, der Chefredakteur, ein Arzt, der zehnminutenweise seine Patienten behandelte. »Ich kann mich nicht erinnern, dass Sie heute einen Termin haben?«
War da ein kleines Naserümpfen in ihrem Gesicht?
Sei locker, Gardis. Du musst nicht gleich zu erkennen geben, dass du nach der langen Zeit der Krankheit sehr dringend einen Auftrag brauchst.
»Nein, ich habe keinen Termin. Ich wollte nur einfach mal wieder vorbeischauen.«
»Warum haben Sie nicht angerufen? Herr Breuer ist leider ...«
In diesem Moment wurde hinter der geriffelten Glastür neben dem Empfang eine Gestalt sichtbar, und die Tür ging auf. Paul stand im Türrahmen, einen Aktenordner in der Hand. Gardis atmete auf. Sie bekam ihre Chance.

Lesen Sie weiter ... im Roman "Der Vampir von Melaten"